Das SIWF plant die Zukunft der ärztlichen Weiter- und Fortbildung

Das SIWF plant die Zukunft der ärztlichen Weiter- und Fortbildung

Leitartikel
Ausgabe
2024/06
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2024.1317688102
Schweiz Ärzteztg. 2024;105(06):24-25

Publiziert am 07.02.2024

15 Jahre jung
2024 begeht das SIWF sein 15-jähriges Bestehen – ein guter Moment für die Planung der nächsten Jahre. Mit der Reform der ärztlichen Weiterbildung in Richtung kompetenzbasierte Bildung wurde ein erster Schritt getan. Neue Herausforderungen warten auf das Institut mit aktuell etwas über 30 festangestellten Mitarbeitenden.
Das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) hat viele verschiedene Facetten. Die einen kennen das Institut aufgrund einer in ihrer Klinik durchgeführten Visitation. Andere haben realisiert, dass hinter der jährlichen Befragung der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, die durch die ETH Zürich durchgeführt wird, das SIWF als Auftraggeber fungiert. Viele aber werden im Rahmen ihres Antrags für einen eidgenössischen Facharzttitel (seit 2009 sind es keine «FMH»-Titel mehr) mit uns in Kontakt gekommen sein – mit mehr oder weniger guten Erinnerungen an die herausfordernden Prozesse und Vorgaben.
Als Ärztin oder Arzt mit einem Facharzttitel unterliegen Sie der Fortbildungspflicht, und über die Fortbildungsplattform des SIWF können Sie unkompliziert Ihr Fortbildungsdiplom anfordern. Vielleicht engagieren Sie sich als Lehrärztin oder Lehrarzt für die Weiterbildung in Ihrer Praxis oder arbeiten in einer vom SIWF akkreditierten Weiterbildungsstätte mit einem Bildungsauftrag. Oder Sie arbeiten mit einem Mandat des SIWF in einer unserer Kommissionen oder sind Mitglied des Vorstands oder Plenums des SIWF. Dies ist ein Teil unserer täglichen Arbeit, die ohne die engagierte Mithilfe von Vertreterinnen und Vertretern der Fachgesellschaften, ärztlichen Mandatsträgerinnen und -trägern mit einer speziellen Bildungsexpertise oder auch den Kolleginnen und Kollegen der FMH und Ihnen allen nicht machbar wäre. An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen herzlich für Ihr engagiertes Mitarbeiten und Mitdenken danken.

Wachstum und Stabilität

Am 11. Dezember 2008 entschied die Ärztekammer der FMH, die Kommission für Weiter- und Fortbildung (KWFB) zu verselbständigen und das SIWF zu schaffen. Am 1. April 2009 nahm das SIWF seine Aktivitäten auf. Die ersten «Kapitäne» waren der kürzlich verstorbene Dr. med. Werner Bauer als Präsident und Christoph Hänggeli als erster Jurist und Geschäftsführer des SIWF. Dabei waren auch Barbara Linder, Petra Bucher und Renate Jungo, die immer noch im SIWF arbeiten und es mitgeprägt haben. Und diese fünf Personen stellten die Belegschaft des SIWF im Jahr 2009 dar. Nicht zu vergessen sind die beiden langjährigen Vizepräsidenten Jean-Pierre Keller und Raphael Stolz, die auch seit den Anfängen des SIWF dessen Aufbau unterstützt haben.

Die Wahl der zwei neuen Vize-Präsidentinnen ist ein klares Bekenntnis für eine Erneuerung und Verjüngung unserer Organisation.

Heute ist das Institut ein KMU mit über dreissig Angestellten und fünf Bereichen. In diesen 15 Jahren wuchs das Institut und seine Aufgaben wurden vielfältiger. So wurden beispielsweise im Geburtsjahr des SIWF im Jahre 2009 gerade mal 1 271 Facharzttitel erteilt. Im Jahre 2023 waren es knapp 2 000 Facharzttitel. Aber nicht nur die Anzahl der Titel ist gestiegen: Viel zentraler ist die über die Jahre entstandene hohe Komplexität und Individualisierung der Titel, die durch das SIWF verwaltet werden. Diese Komplexität stellt für alle Beteiligte eine grosse Herausforderung dar.

Neue Gesichter an der Spitze

Am 23. November 2023 wählte das Plenum des SIWF zwei neue Vizepräsidentinnen: Dr. med. Nathalie Koch und Dr. med. Barbara Schild. Das Porträt dieser beiden neuen Gesichter des SIWF finden Sie im Artikel «Mit Forza und Verve für die ärztliche Bildung». Mit ihnen hat das SIWF eine exzellente und dringend notwendige Verstärkung im Bildungsbereich und in der Bildungspolitik erhalten. Die Wahl ist aber auch ein klares Bekenntnis für eine Erneuerung und Verjüngung unserer Organisation. Bisher waren alle Mitglieder der Geschäftsleitung über 60 Jahre alt. Mit den beiden neuen Vizepräsidentinnen wird das Durchschnittsalter merklich sinken. Gleichzeitig müssen wir aber auch unsere Strukturen grundsätzlich überdenken. Wenn eine neue Person in den Bundesrat gewählt wird, beginnt die Diskussion um die Verteilung der Departemente. Wir werden einen ähnlichen Prozess innerhalb unserer Geschäftsleitung beginnen, sobald unsere neuen Kolleginnen ihre Arbeit bei uns aufnehmen. So können wir sicherstellen, dass alle Mitglieder der Geschäftsleitung gemäss ihren Kompetenzen und Präferenzen eingesetzt werden.

Reformen nicht nur intern

Neben den notwendigen Reformen unserer Strukturen fokussieren wir uns selbstverständlich weiterhin auf die Modernisierung der ärztlichen Weiterbildung und die Einführung der kompetenzbasierten Bildung. Die ersten zwei Jahre dieser grundlegegenden Reform waren geprägt von einer dynamischen Entwicklung der verschiedenen Teile der Reform: Die EPA-Kommission hat sich zahlenmässig vergrössert und vermehrt Betreuungen der Fachgesellschaften übernommen. Wir werden eine Firma beauftragen, die für uns eine elektronische Applikation für die Durchführung der Assessments der EPAs (Entrustable Professional Activities) entwickelt.

Das SIWF hat sich entschlossen, vermehrt in die Steuerung der Bemühungen und Bündelung der Kräfte zu investieren.

Wir betreuen mehrere sogenannte Pilotspitäler, die sich bis auf die Stufe der CEOs dafür einsetzen, dass die Weiterbildung der Assistenzärztinnen und -ärzte als zentrale Aufgabe der Spitäler angesehen wird. Dafür hat eine Gruppe von «medical educators» EPAs entwickelt, die den Pilotspitälern als übergeordnete EPAs zur Verfügung gestellt werden, solange es noch zu wenig fachspezifische EPAs gibt. Die «Teach-the-teachers»-Kurse haben sich unter der neuen Leitung dezentralisiert: Im neuen Jahr gibt es erstmals einen Kurs auf Italienisch im Tessin und einen im Engadin – aber (leider) nicht auf «Rumantsch» – ganz zum Leidwesen unseres Vizepräsidenten Giatgen Spinas!
Immer mehr realisieren wir, wie gross die Abhängigkeiten dieser verschiedenen Initiativen voneinander sind. Deshalb hat sich das SIWF entschlossen, vermehrt in die Steuerung der Bemühungen und Bündelung der Kräfte zu investieren. Ein kleiner Stab koordiniert nun diese einzelnen Gruppen und Projekte. Vor allem aber haben wir uns auch in die Forschungswelt begeben, einerseits mit einem gemeinsamen SNF-Projekt mit einem Team der Universität Genf, und andererseits mit eigenen Forschungsprojekten im Bereich der Implentierung von Bildungsinhalten.

Chronos und Kairos

Veränderung braucht Zeit. Das merken wir immer wieder, wenn wir begeistert sind von einer Innovation einer Fachgesellschaft, die pionierhaft voranschreitet, und wir danach realisieren, dass viele andere Fachgesellschaften noch gar nicht in diese Veränderung einsteigen konnten. Mit Kairos, dem griechischen Gott des (richtigen) Zeitpunkts haben wir die Reform begonnen. Nun aber fordert Chronos, der griechische Gott der Zeit, sein Tribut: Es wird noch mehrere Jahre dauern, bis wir die Reform der ärztlichen Weiterbildung stabil eingeführt haben.

Es wird noch mehrere Jahre dauern, bis wir die Reform der ärztlichen Weiterbildung stabil eingeführt haben.

Die Fortbildung nicht vergessen

Am gleichen Plenum, an dem wir unsere neuen Vizepräsidentinnen gewählt haben, konnten wir mit Graham McMahon, dem Chef der Akkreditierungsbehörde aller Gesundheitsberufe in den USA, von einem sehr lebhaften Austausch über die Ausgestaltung der ärztlichen Fortbildung profitieren. Wir haben realisiert, dass hier Handlungsbedarf besteht. Das Ziel des SIWF ist es, nicht nur die Weiterbildung der Ärztinnen und Ärzte so zu gestalten, dass wir in der Schweiz weiterhin auf gute Ärztinnen und Ärzte zählen dürfen. Wir wollen auch erreichen, dass sie ihre Kompetenzen bis zum Ende ihrer beruflichen Laufbahn erhalten oder sogar erweitern können. Dafür setzen sich unsere Mitarbeitenden täglich ein.
Ich hoffe, dass mein Leitarikel Ihr Interesse an der medizinischen Bildung geweckt hat. Wir haben in der Schweizerischen Ärztezeitung ein Dutzend Artikel zum Thema Reform und ärztliche Weiterbildung publiziert, die Ihnen weitere Informationen geben.
Monika Brodmann Maeder PD Dr. med. et MME, Präsidentin SIWF