Digitalisierung: Das E-Rezept Schweiz als wegweisende Initiative

Digitalisierung: Das E-Rezept Schweiz als wegweisende Initiative

Leitartikel
Ausgabe
2024/1314
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2024.1374302095
Schweiz Ärzteztg. 2024;105(13-14):24-25

Publiziert am 27.03.2024

Elektronisches Rezept
Das elektronische Rezept ist ein zentrales Element einer nutzenstiftenden Anwendung der Digitalisierung, welches die FMH und pharmaSuisse mit der Initiative «E-Rezept Schweiz» im Interesse der Leistungserbringer mitgestalten. Bis Ende 2024 soll es flächendeckend einlösbar sein und bis 2029 zum neuen Standard werden.
Die digitale Transformation prägt zunehmend alle Lebensbereiche, auch das Gesundheitswesen. Auf Stufe Bund laufen derzeit mehrere Vorhaben parallel, welche auf diese Entwicklung Einfluss nehmen wollen, so namentlich zwei Revisionen des elektronischen Patientendossiers (EPD) [1], das Programm DigiSanté [2] und die Teilrevision des Heilmittelgesetzes (HMG) [3]. Letztere stellt die Weichen für das elektronische Rezept, das zum Alltag werden soll. Patientinnen und Patienten sollen auch einen Medikationsplan erhalten. Wir erachten gerade diese Gesetzesrevision aus standespolitischer Sicht für hoch relevant, da ein digitaler Medikationsprozess die elektronische Zusammenarbeit mehrerer Leistungserbringer bedingt.

Das E-Rezept Schweiz bündelt die Interessen der unmittelbar am Medikationsprozess beteiligten Leistungserbringer.

Während das Parlament verschiedene Vorstösse zur Digitalisierung des Medikationsprozesses an den Bundesrat überwiesen hat, arbeiten die beiden Berufsverbände pharmaSuisse und FMH seit 2022 daran, ein nationales E-Rezept zu etablieren. Dieses E-Rezept erweist sich als ein entscheidender Schritt zur Effizienzsteigerung und Verbesserung der Patientenversorgung. Es stellt eine enge Verbindung zwischen den zentralen Leistungserbringern her – der Ärzteschaft und Apothekerschaft – und bündelt ihre gemeinsamen Interessen in einer wegweisenden Initiative, dem «E-Rezept Schweiz».

Aktueller Stand «E-Rezept Schweiz»

In einer ersten Phase 2022/23 lag der Fokus auf einem breiten Stakeholdermanagement. Dabei zeigte sich erfreulicherweise, dass das E-Rezept Schweiz auf verschiedenen Ebenen grossen Anklang findet. Parallel wurde der zugrundeliegende E-Rezept Schweiz Service, welcher auf dem bewährten Datenformat CHMED16A basiert und höchsten Anforderungen an Sicherheit und Privatsphäre gerecht werden muss, von HIN bis zur Praxisreife entwickelt. Mit Pilotnutzern aus dem ärztlichen und pharmazeutischen Umfeld wurde der E-Rezept Schweiz Service auf Herz und Nieren getestet, damit dieser sich einfach in die bestehenden Abläufe in den Arztpraxen und Apotheken integrieren lässt. Rückblickend auf Phase 1 können wir durchaus zufrieden sein mit den erreichten Fortschritten: Schulterschluss und Bündelung der Interessen der unmittelbar am Medikationsprozess beteiligten Leistungserbringer, die Entwicklung einer regelkonformen E-Rezept-Lösung mit hohen Sicherheitsstandards und breiter Akzeptanz sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologie und das verstärkte Engagement aller Beteiligten.

Die Hersteller der Primärsysteme haben oberste Priorität für eine nutzenstiftende und einfache Anwendung des E-Rezepts.

In der zweiten Phase seit Ende 2023 haben die Verbände und HIN sich neu formiert. Die Organisation besteht nun aus einer Arbeitsgruppe der drei Parteien HIN, FMH und pharmaSuisse mit einem gemeinsamen Lenkungsausschuss. Dabei übernehmen die Verbände die Rolle des Enablers, während HIN als Dienstleisterin agiert. Die enge Einbindung der Dienstleisterin ist bedeutsam, insbesondere um eine Integration in die Primärsysteme der Leistungserbringer zu gewährleisten. Die Hersteller dieser Systeme haben denn auch oberste Priorität für eine nutzenstiftende, effiziente und einfache Anwendung des E-Rezepts. Ebenfalls entscheidend ist die Offenheit des Services, um eine breite Teilnahme der Leistungserbringer zu ermöglichen. Die Partner haben sich das Ziel gesetzt, das E-Rezept Schweiz bis Ende 2024 flächendeckend einzuführen im Sinne, dass es möglich sein soll, schweizweit in jeder Apotheke ein E-Rezept einzulösen. Bis 2029 soll dann das E-Rezept im Schweizer Gesundheitswesen zur Regel und das herkömmliche Papierrezept zur Ausnahme werden. Dies nimmt die Teilrevision des Heilmittelgesetzes vorweg, welche eine Pflicht für elektronische Verschreibungen anstrebt.

Bis Ende 2024 soll das E-Rezept flächendeckend einlösbar sein und bis 2029 zum neuen Standard werden.

Umfeld zunehmender Digitalisierung

Die Phase 2 der Initiative «E-Rezept Schweiz» markiert einen Meilenstein auf dem Weg zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Durch den Einsatz des E-Rezepts können wir nicht nur die Patientenversorgung verbessern, sondern auch den Leistungserbringern konkrete Vorteile bieten. Darunter fallen namentlich flexible und effiziente Erstellungs- und Einlöseprozesse sowie, da das E-Rezept Schweiz fälschungssicher und nicht doppelt einlösbar ist, eine Reduktion des Missbrauchspotenzials. Es ist dabei von entscheidender Bedeutung, dass alle relevanten Akteure an Bord sind. Daher appellieren wir an die Systemanbieter, jetzt auf den Zug aufzuspringen, falls sie es noch nicht getan haben, und auch an die Leistungserbringer, sich aktiv an der Initiative zu beteiligen, um ihren Erfolg zu gewährleisten. Denn eines ist klar: Das E-Rezept ist nicht nur für die Verbände und ihre Mitglieder von Bedeutung, sondern bringt der gesamten Bevölkerung einen Nutzen.

Das E-Rezept Schweiz ist für Ärzteschaft und Apothekerschaft ebenso wie für die gesamte Bevölkerung von grosser Bedeutung.

Die Initiative «E-Rezept Schweiz» beziehungsweise die zielgerichtete, engagierte Zusammenarbeit der Dachverbände FMH und pharmaSuisse ist ein Beispiel dafür, wie Ärztinnen und Ärzte mit den Apothekerinnen und Apothekern und anderen relevanten Akteuren gemeinsam den Weg für eine effiziente und patientenzentrierte Digitalisierung im Gesundheitswesen ebnen können. Über die Digitalisierung nicht nur zu reden, sondern die guten Ideen und Vorhaben endlich auf den Boden zu bringen, ist das Gebot der Stunde. Das E-Rezept Schweiz ist ein entscheidender Baustein auf diesem Weg. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Politik und Leistungserbringern machen wir die Vorteile der Digitalisierung für Patientinnen und Patienten und Fachkräfte gleichermassen zugänglich und sichtbar. Lassen Sie uns diese Chance gemeinsam nutzen.
Urs Stoffel Dr. med., Mitglied des Zentralvorstandes, Departementsverantwortlicher Ambulante Versorgung und Tarife