Von der künstlichen Intelligenz zu den Bullshit Jobs

Forum
Ausgabe
2024/25
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2024.1517009832
Schweiz Ärzteztg. 2024;105(25):20

Publiziert am 19.06.2024

Die Autoren aus dem Kantonsspital Aarau geben sich euphorisch, wenn es um den Einsatz der künstlichen Intelligenz (KI) in der Medizin geht. Aus dem Aargauischen hört man indessen auch andere Stimmen. Mathias Binswanger, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz und an der HSG in St. Gallen, hat ein Buch publiziert, bei dem er bereits im Titel warnt: «Die Verselbstständigung des Kapitalismus. Wie KI Menschen und Wirtschaft steuert und für mehr Bürokratie sorgt.» Ich teile die skeptische Haltung Binswangers.
Gewiss, bald schon kann KI den Austrittsbericht nach einer Spitalbehandlung generieren – zurzeit ist das noch die Aufgabe des ärztlichen Personals. Eine Aufgabe notabene, die Beobachtungsgabe, Reflexionsfähigkeit und sprachliche Kompetenz erfordert. Da kann es durchaus auch mal eine Panne geben. Kürzlich war ein Patient zur Nachkontrolle nach einem Treppensturz in meiner hausärztlichen Sprechstunde. Im Bericht von der Unfallstation war rechts und links systematisch verwechselt worden. Solche Fehlleistungen wird auch KI nicht ausmerzen können. Mir tun die Assistenzärztinnen und -ärzte in den Spitälern jetzt schon leid. Sie werden bald schon nichts anderes mehr zu tun haben, als den Inhalt von PDF-Files in stupider Bildschirmarbeit hinsichtlich Fehler und Plausibilität zu überprüfen. In der Soziologie gibt es für derartige Tätigkeiten den Begriff «Bullshit Jobs».
Dr. med. Felix Schürch, Zürich

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