Schau mir in die Augen
Neurologie
Ein Team der Universität Genf (UNIGE) hat den genauen Zeitpunkt identifiziert, an dem das Gehirn die Blickrichtung eines anderen erkennt. Diese Erkenntnisse seien entscheidend für die Behandlung von Autismus und bieten therapeutische Perspektiven für Menschen mit Alzheimer, wie die UNIGE mitteilt.
Die Studie der UNIGE zeigt, dass das Gehirn die Kopf- und Augenrichtung unabhängig voneinander zuverlässig entschlüsseln kann. Es nimmt zuerst die globaleren visuellen Hinweise wie die Kopfrichtung nach 20 Millisekunden wahr und konzentriert sich ab 140 Millisekunden auf die Augen.
Die hierarchische Organisation der Verarbeitung dieser Informationen ermögliche eine effiziente Beurteilung der Blickrichtung. Die Dekodierung sei genauer, wenn Teilnehmende speziell aufgefordert werden, sich für die Blickrichtung zu interessieren, erklärt Studienleiter Nicolas Burra. «Im Alltag zeigen diese Ergebnisse, dass eine Person, die sich aktiv in einen «sozialen Modus» begibt, die Absichten anderer besser und schneller erkennen kann.»
Die angewandte Methode kombiniere Elektroenzephalographie mit maschinellem Lernen und ermögliche präzise Ergebnisse. Bei Autismus-Spektrum-Störungen oder Alzheimer könne die Entschlüsselung beeinträchtigt sein. Die Studie leiste einen Beitrag zur Frühdiagnose von Autismus bei Kindern und zum Verständnis der neuronalen Mechanismen bei Alzheimer-Patienten.
© Iurii Sokolov | Dreamstime

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